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Lebensraum Brache PDF Drucken E-Mail
Projekt "Lebensraum Brache"
 

wildtiergerechte Gestaltung von Flächenstilllegungen
in Baden-Württemberg

Zeitungsartikel 
Zeitungsartikel

Motivation zu dem Modellprojekt:

Rund 1 Million Hektar Agrarflächen sind in Deutschland zur Zeit im Rahmen der EU Agrarpolitik als Brachflächen aus der Produktion genommen. Dies entspricht einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern oder beispielsweise viermal der Fläche des Saarlands.
Die Lebensraumsituation in der Agrarlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten für die Tier- und Pflanzenwelt gravierend verändert. Ein gestiegener Betriebsmitteleinsatz in der Landwirtschaft, Melioration, Reduzierung der Fruchtfolgeglieder und die Zusammenlegung von Schlägen kombiniert mit der Beseitigung von Strukturen wie Hecken, Graswegen oder Kleingewässern sind in diesem Zusammenhang bedeutende Faktoren. Einige Arten profitieren von der veränderten Konstellation der Umweltfaktoren in der Agrarlandschaft, wohingegen der Großteil der Arten wie Rebhuhn und Feldhase eher Bestandseinbrüche erlitten hat oder gar verschwunden ist. Die Artenvielfalt hat sich stark reduziert.

Über 50% der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Somit prägen die Landwirte den Lebensraum vieler Vogelarten, insbesondere der Feldvögel maßgeblich. In ganz Europa leiden Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn und Co. an dramatischen Bestandsrückgängen. Heute stehen 65% aller Vogelarten der Agrarlandschaften auf der Roten Liste der bedrohten Brutvögel Deutschlands und dieser Trend hält leider mit steigender Tendenz unvermindert an. Um diesem negativen Trend entgegenzuwirken, startete 2003 das Projekt "Lebensraum Brache". Durch die Ansaat strukturreicher Buntbrachen auf mittlerweile über 6000 Hektar landwirtschaftlichen Stilllegungsflächen sind viele attraktive Brut- und Nahrungsräume für Feldlerchen, Neuntöter und Wachtelkönig in den bayerischen und hessischen Untersuchungsgebieten und darüber hinaus geschaffen worden. Die ersten Erfolge stellen sich ein.
Im Durchschnitt zählten die Vogelkundler auf den Buntbrachen bis zu 66% mehr Brutvogelarten als auf üblichen landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Sowohl die hohe Anzahl von Brutvogelarten als auch die Tatsache, dass auf den Buntbrachen bis zu 6 mal mehr Tiere ihre Brut durchführten als auf anderen landwirtschaftlichen Nutzflächen, zeigen deutlich, dass Buntbrachen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieser betroffenen Arten leisten.
Der Erfolg begründet sich zum einen in der Bereitstellung geeigneter Lebensräume, die durch vielfältige Ansaaten aus einem breiten Spektrum an Pflanzenarten gestaltet wurden und zum anderem in der mehrjährigen Ungestörtheit dieser Flächen.

Die Ergebnisse aus dem Projekt "Lebensraum Brache" weisen darauf hin, dass solche Ackerbrachen ganzjährig von besonderer Bedeutung für die heimische Vogelwelt sind. Im Frühjahr und Sommer brüten hier zahlreiche Vogelarten und in den kargen winterlichen Agrarlandschaften bereichern diese Flächen nicht nur das Nahrungsangebot der Feldvögel, sondern auch vieler anderer Wildtiere.
Der häufigste Brutvogel auf den untersuchten Buntbrachen ist die Feldlerche, der Charaktervogel der Agrarlandschaft schlechthin. Da ihr Körper zu schwer ist, um effizient auf den Pflanzen nach Nahrung zu suchen, benötigt diese Vogelart lockere Pflanzenbestände. Hier kann sie auf dem Boden umherhüpfend nach Nahrung suchen. Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass der Baumpieper vermehrt in diese Bracheflächen einwandert und dort von exponierten Warten zu seinem charakteristischen Singflug aufsteigt. Um sich wohl zufühlen benötigt der Baumpieper viel Licht, Singwarten, offene Stellen und Nistmöglichkeiten am Boden. Ebenfalls haben inzwischen die Dorngrasmücken die wildtierfreundlich begrünten Ackerbrachen als Lebensraum erschlossen - sie finden in diesen Ersatzstrukturen für fehlende Hecken und Gebüsche.

Aber nicht nur Brutvögel profitieren, sondern auch Nahrungsgäste und Vögel auf dem Durchzug. So nutzen im Winter die Raubwürger überstehende Sonnenblumen als Jagdwarten. Andere Nahrungsgäste, wie Rohr- und Wiesenweihe, Turmfalke und des Nachts die Schleiereule sind regelmäßig über den Brachflächen zu beobachten. Darüber hinaus bereichern vor allem in den Wintermonaten die Samen der unterschiedlichen Pflanzenarten den Speiseplan vieler Vogelarten. Bei den Finkenvögeln und Meisen sind besonders die Sonnenblumenkerne beliebt.